Kinder alleine unterwegs.
Irgendwann sind die Kleinen groß genug, um auch mal alleine unterwegs zu sein. Klar
fühlen die Eltern sich dabei nicht gut. Doch mit der richtigen Erziehungen können
Kinder frühzeitig für Gefahrensituationen sensibilisiert werden.
Eltern können spielerisch ihren Kindern beibringen, wie sie sich im Straßenverkehr
oder gegenüber Fremden verhalten sollen.
Kinder stärken gegen Übergriffe
Mut und Selbstvertrauen bilden ein natürliches Schutzschild vor Übergriffen jeglicher
Art. Deshalb sollten Eltern alles dafür tun, dass ihr Kind schon frühzeitig stark
und selbstbewusst wird.
In Deutschland werden jährlich circa 20.000 Kinder Opfer sexueller Gewalt (lt. Polizeilicher
Kriminalstatistik). Bei dieser hohen Opferzahl würden viele Eltern ihr Kind am liebsten
nie aus den Augen lassen. Doch mit der Angst der Eltern und Überfürsorglichkeit ist
den Kinder nicht geholfen, dies behindert sie eher in ihrer freien Entwicklung. Vielmehr
sollten Kinder gestärkt werden auch in Gefahrensituationen stark zu sein. Starke
Kind werden seltener Opfer von Missbrauch oder Gewalt.
Sobald ein Kind selbständiger wird und alt genug ist kurze Strecken auch mal alleine
zu gehen, z. B. in den Kindergarten oder zum benachbarten Spielfreund, sollten Eltern
ihm einige Regeln beibringen:
- kein Fremder darf deinen Körper anfassen, dich ungefragt auf den Schoss nehmen, dich
umarmen oder küssen - wenn es doch jemand versucht schreie ganz laut „NEIN“ oder
„Das will ich nicht!“, wenn dies nicht hilft, darfst du auch treten, schlagen und
beißen
- wenn dir etwas Angst macht, wenn Ältere etwas von dir verlangen darfst du „NEIN“
oder „Das will ich nicht!“ sagen
- Es gibt gute und schlechte Geheimnisse. Mit Mama, Papa oder deinen Geschwistern darfst
du Geheimnisse haben, mit fremden Leute darfst du keine Geheimnisse haben, auch wenn
dir ein Fremder dies vorschlägt oder aufzwingt. Fremde dürfen dich mit Geheimnissen
nicht erpressen oder verunsichern. Das Kind darf seinen Eltern alle Geheimnisse verraten,
denn in der Familie spricht man offen über alles und dem Kind kann auch bei schlimmen
Geheimnissen nichts passieren.
- Du darfst Hilfe rufen oder holen. Manchmal kann sich das Kind nicht selber helfen,
dann sollte es einen bekannten Erwachsenen um Hilfe fragen. Das Kind darf jederzeit
um Hilfe bei bekannten Erwachsenen bitten.
Um einen Kind unterwegs Anlaufpunkte mit „bekannten Erwachsenen“ zu bieten, können
auf der Strecke, z. B. zum Kindergarten oder Spielplatz, Freunde gesucht werden,
z. B. im Bäckerladen oder einer Apotheke. Dort sollten Erwachsene sein, denen die
Eltern vertrauen.
Literaturempfehlungen:
- „Das große und das kleine NEIN“ von G. Braun und D. Wolters (Verlag an der Ruhr 1991)
- „Kein Küsschen auf Kommando!“ von Marion Mebes (Mebes & Noack 2002)
- „Mein Körper gehört mir!“ von Pro Familia (Loewe 2002)
- „Schön & blöd. Ein Bilderbuch über schöne und blöde Gefühle“ von U. Enders und D.
Wolters (Beltz und Gelberg 1999)
- „Kim kann stark sein“ von E. Zöller/D. Geisler mit Informations- und Beratungsadressen
(Loewe 2005)
- „Ich bin doch keine Zuckermaus“ von S. Blattmann/G. Hansen inklusive 50-minütiger
Audio-CD mit Liedern (Mebes & Noack 1994)
- „Das Stark mach Buch“ von Sylvia Schneider (Christophorus 2002)
- „Wie man Kinder von Anfang an stark macht“ von Gabriele Haug-Schnabel und Barbara
Schmid-Steinbrunner (Oberstebrink 2002)
- „Selbstbewusst und rücksichtsvoll“ von Christine Kügerl (Herder 2004)
- „Faustlos – das Buch für Eltern und Erziehende“ von Manfred Cierpka (Herder 2005)
Was können Eltern im Alltag tun, um ihr Kind im Alltag zu stärken?
- bestätige das Kind in seinem Handeln und behüte es nicht übermäßig
- gib dem Kind altersentsprechende Freiheiten
- bring dem Kind bei, selber Verantwortung für sein Handeln zu tragen
- stärke das Kind (durch Überzeugung mit Fakten) , wenn es sich etwas nicht gleich
zutraut
- Eltern sollten als Vorbild agieren - umso selbstbewusster die Eltern im Alltag und
gegenüber Fremden/Anderen auftreten, desto eher übernimmt das Kind diese Fähigkeit
- Egal ob Junge oder Mädchen - zwischen Geschlechtern sollten Eltern keinen Unterschied
machen, denn ein Junge kann was ein Mädchen kann und umgekehrt - Mädchen dürfen nicht
in die Opferrolle verfallen und Jungs dürfen Gefühle, Angst und Schmerzen zeigen
und auch um Hilfe bitten!
- Eltern können ihr Kind zur Zusprache stärken, will es etwas alleine machen, sollten
die Eltern auch mal sagen: „Ich vertraue dir!“
- Egal was Eltern zu ihrem Kind sagen, es sollte immer selbstbewusst und nachdrücklich
wirken, deshalb sind Ironie und Sarkasmus nicht angebracht - Kinder können dies noch
nicht verstehen! Also statt „Na das hast du ja wieder toll gemacht.“ lieber eine
klare Aussage treffen, wie: „Warum ist dir denn das Glas runtergefallen?“
- Das Kind nie auslachen, egal wie tollpatschig es sich anstellt oder wie lustig etwas
aussieht. Das Lachen wird das Kind sein Leben lang nicht mehr los! Es wird immer
an seinem Selbstbewusstsein nagen.
- Alle Entscheidungen, die das Kind betreffen, sollte das Kind mitentscheiden dürfen.
Eltern sollte die Einwände des Kindes berücksichtigen und darauf eingehen, denn so
fühlt sich das Kind angenommen und verstanden.
- Die Meinung des Kindes sollte im „Familienrat“ auch Gehör finden. Bei Familienentscheidungen
sollte das Kind auch gefragt werden: „Wie findest du das....?“ oder „Was meinst du
dazu...?“
- Über Gefühle sollte in der Familie offen gesprochen werden. Ängste oder Wünsche der
Kinder sollten auf offene Ohren treffen. Das Kind sollte satt, müde, traurig sein
dürfen, sollte auch mal weinen oder wütend sein dürfen.
Internet:
Kinderschutzbund
Verkehrserziehung
Verkehrserziehung beginnt nicht erst, wenn ein Kind alleine unterwegs ist. Schon
vorher sollten die Eltern als Vorbild agieren, so dass sich das Kind Verhaltensweisen
im Straßenverkehr abschauen kann. Also sollten Eltern besonders auf Ihr Verhalten
als Verkehrsteilnehmer und Fussgänger achten. Wenn die Eltern beim Autofahren z.
B. Auf Fussgänger oder Radfahrer ständig schimpfen, kann die das Kind als „Anfänger“
verunsichern.
Richtiges Verhalten sollten Eltern mit ihrem Kind rechtzeitig vor dem ersten Alleingang
üben:
- Verhaltensregeln beim Überqueren einer Straße erklären
- dem Kind das richtige Verhalten im Straßenverkehr vormachen
- anschließend soll das Kind dem Erwachsenen das Gelernte erklären bzw. bei allen nächsten
Gelegenheit zunächst alleine agieren und somit das Gelernte anwenden und so verinnerlichen
- die Eltern sollten das Verhalten des Kindes immer auf Fehler überprüfen und ggf.
das Kind auf Fehler hinweisen und ihm erneut das richtige Verhalten erklären
Bitte beachten:
- an Ampeln immer auf Grün warten
- auf Gehwegen möglichst weit innen (zur Häuserseite hin) laufen
- Am Zebrastreifen erst stehen bleiben und nach recht und links schauen, erst wenn
ein heranfahrendes Auto angehalten hat, die Straße überqueren
- Beim Überqueren der Straße ohne Überweg immer mehrfahr deutlich nach beiden Seiten
schauen und auf dem kürzesten Weg die Straße überqueren - nicht zwischen Autos hindurch
die Straße betreten
Literaturempfehlungen:
- „Pass auf im Straßenverkehr“ von A.Weinhold (Ravensburger Buchverlag 1999)
- „Ich pass auf im Straßenverkehr“ von A.Weinhold (Ravensburger Buchverlag 2001)
- „Fit im Straßenverkehr. 4–7 Jahre“ von G. Kopietz, J. Sommer,H. Kollars (Betz,Wien
2000)
- „Das große Verkehrs-Erlebnisbuch“ von M. Steinmann, R. Tobinski (Fleurus Verlag 2003)
- „Verkehrsschule mit der Maus“, verschiedene Themenbände (z. B. Allein unterwegs,
Schulweg), von A. Kinzel, M. Epes (Xenos, Hamburg 2000)
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